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Forrer Kasteel Supervisoring Supervision Coach empathisch, individuell, innovativ Potential

Warum braucht es Coaching und Supervision in der heutigen Arbeitswelt?

Das Interview mit Esther Forrer Kasteel, Prof. Dr., Supervisorin und Coach, führte Prof. Dr. Patricia Schuler Braunschweig.

Was fasziniert dich an Führungscoachings, Coachings und Supervision? Was möchtest du bewirken?

Mich fasziniert, wenn Fachpersonen im Laufe des Prozesses zunehmend ihr Potenzial erkennen und mit einem erweiterten Blick ihre beruflichen Herausforderungen meistern können. Das erzeugt grosse Resonanz und Freude in mir. Distanz, Reflexion und Merperspektiven sind in meinen Augen wichtige Schlüssel. Ich erlebe es so, dass Coaching und Supervision nicht nur den direkt Beteiligten, sondern auch deren Organisationen und Institutionen zugutekommen. Belastende Arbeitskulturen und -klimen erfahren eine Entwicklung hin zu wertschätzenden, kollegialen und leistungsförderlichen Arbeitsatmosphären. Das schafft wiederum Raum für Innovation und Perspektiven.

Was zeichnet deine Coaching- und Supervisionsangebote aus?

Die Person und ihre Einzigartigkeit stehen immer im Zentrum und es liegt mir am Herzen, das Potential meines Gegenübers zu stärken bzw. dieses gemäss der Positiven Psychologie zum «Aufblühen» zu bringen. Dabei jongliere ich gerne mit Gegensätzen, weil sich gerade im «Dazwischen» oft bislang unentdeckte Möglichkeiten entfalten. Außerdem leiten mich das Konzept der «Resonanz» nach Hartmut Rosa und der «Dialogik» nach Heinz St. Herzka sowie die «Positive Psychologie» nach Martin Seligman. Allgemein entlasten Bezüge zu Fachliteratur, Grundlagen und Forschungserkenntnissen oftmals aufgrund ihrer übergeordneten Gültigkeit. Zudem lasse ich mich sehr gerne von starken und kämpferischen Frauen mit Profil inspirieren. Erwähnen möchte ich hier Hannah Arendt, die aufgrund ihres Zitats «Ich will verstehen» bekannt ist sowie Astrid Lindgren als mutige Autorin – gerade auch im höheren Alter. Schliesslich stelle ich den Coaching- und Supervisionsraum mitunter auch als «Erfahrungs- und Experimentierraum» zur Verfügung und ermuntere die Coachees und Supervisand*innen zu «just do it».

Die Konzepte der «Resonanz», der «Dialogik» und der «Positiven Psychologie» beschäftigen dich schon seit einiger Zeit, dies nicht nur im Berufsalltag, sondern auch bei deiner Forschungs- und Publikationstätigkeit. Was ziehst du nun für deine Coachings und Supervisionen aus diesen Konzepten?

«Dialogik» nach Herzka beruht auf dem Prinzip der Gegensätzlichkeit in Bezug auf Ganzheit. Gemeint sind unabhängige und gleichwertige Pole, deren Widersprüche es auszuhalten gilt. In Anbetracht dieser Widersprüche und des gemeinsamen Ganzen bedarf es einer kontinuierlichen gegenseitigen Anerkennung und Wertschätzung. Das Annehmen der jeweiligen Andersartigkeit eröffnet vielfältige Möglichkeiten im «Dazwischen» und bringt Energien zutage, die für konkrete Themen neue Perspektiven eröffnen können. Das Konzept der «Dialogik» eignet sich gerade deshalb auch sehr gut für eine grundlegende Haltung der Offenheit und Vielseitigkeit.
Das soziologische Konzept der «Resonanz» nach Hartmut Rosa wiederum stützt sich auf das menschliche Streben nach Resonanz in Beziehungen – zwischen Menschen, zwischen Menschen und Objekten und zu übergeordneten Systemen. Wenn die physikalische Resonanz als reines Aussenden von Klängen und Schwingung verstanden wird, geht es bei Rosa hingegen um den gegenseitigen Austausch, das aufeinander bezogene Antworten, gegenseitige Berührung sowie um die Offenheit zur Veränderung. «Resonanz» wird auf kognitiver, emotionaler und physischer Ebene vielfältig und individuell erlebt. Mit Resonanz sind intensive und berührende Momente, Begegnungen oder Auseinandersetzungen gemeint, wie wir sie im Zwischenmenschlichen, in der Kunst und Musik erleben dürfen. Coaching und Supervision bieten einen geeigneten Rahmen, das Konzept der «Resonanz» praktisch zu üben und dadurch Antworten, insbesondere für belastende oder übergeordnete Themen, für sich selber zu finden.

Kern der «Positive Psychologie» ist nach Martin Seligman das «Aufblühen» der Menschen. Im Fokus steht dabei die Stärkung des Potenzials und der Ressourcen der Einzelperson und letztlich ihr Weg zu einem erfüllten Leben. Die Positive Psychologie versteht sich als akademische Wissenschaft. Sie geht von einem positiven Menschenbild aus und interessiert sich indes für die Bedingungen und Wirkungen, wie Personen, Gruppen und/oder Organisationen bestmöglich bei ihrer Entwicklung unterstützt werden können. Gerade in Coachings und in der Supervision erweisen sich die zwei Kernkonzepte der Positiven Psychologie – das PERMA-Modell und die Charakterstärken – als sehr hilfreich. Das PERMA-Modell umfasst die fünf Bereiche P wie Positive Emotions (Positives Gefühl), E wie Engagement (Engagement), R wie Positive Relationships (Positive Beziehungen), M wie Meaning (Sinn) und A wie Accomplishment (Zielerreichung). Alle fünf Bereiche lassen sich gestalten und tragen zum Wohlbefinden der Menschen bei. Die Charakterstärken wiederum sind eine Grundlage vom «Flourishing» (Aufblühen) und vom PERMA-Modell. Sie leisten ebenfalls einen zentralen Beitrag zum Wohlbefinden. Seligman geht von insgesamt 24 Charakterstärken aus, welche er den sechs Tugenden «Weisheit und Wissen», «Mut», «Humanität und Liebe», «Gerechtigkeit», «Mässigung und Spiritualität» und «Transzendenz» zuordnet. Für das Coaching und die Supervision besonders interessant ist die Wirkung von positiven Emotionen, welche letztlich den geistigen Horizont der Menschen öffnen und sie darüber hinaus stärken, gegenüber neuen Ideen kreativer, offener und toleranter zu werden.

Alle drei Konzepte ergänzen sich sehr gut und bieten vielzählige methodische Anwendungen und analytische Denkfiguren für Coaching und Supervision.

Wer bist du als Coach und Supervisorin?

Ich bin zuallererst eine vielseitig interessierte und lernbegeisterte Person. Lernen und Entwicklung hängen für mich unmittelbar zusammen und waren seit jeher sowohl Wegbegleiter als auch Wegbereiter für mich. Schon früh war ich vom Zusammenspiel Theorie/Wissenschaft und Praxis sowie vom Allgemeinen/Generalistischen und Spezifischen überzeugt. Zwei vermeintliche Gegensätze, die mir insbesondere in den letzten rund 20 Jahren an Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen – vor allem in der Kombination Lehre/Forschung – immer wieder begegneten.
Neben dem Fachbezug schätze ich den Austausch mit Menschen und vor allem jene inspirierenden Begegnungen, die mich begeistern und meine Arbeit nachhaltig beeinflussen. Abgerundet wird mein Profil durch verschiedene Weiterbildungen im Bereich Coaching und Supervision, Management und Leadership, Kommunikation und Konfliktmanagement. Es ist mir eine grosse Freude, dieses Konglomerat aus Knowhow, Erfahrung und Kompetenz im Coaching und in der Supervision zur Verfügung zu stellen.

Was beschäftigt dich aktuell?

Am liebsten beschäftige ich mich mit Themen, von denen ich mir im Hinblick auf mein Leben sowie auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen ein vertiefendes Verständnis erhoffe – für aktuelle Situationen sowie die Bewältigung der Zukunft. Neben erziehungswissenschaftlichen und psychologischen Zugängen bediene ich mich zunehmend auch philosophischen, soziologischen und historischen Abhandlungen. Ich glaube, dass wir durch diese Art des analytischen Denkens Aufschluss über grundlegende Lebensthemen wie «Vertrauen», «Resonanz», «Verantwortung», «Singularität», «Heiterkeit», «Schönheit» und vieles mehr erlangen können. Übergeordnet beschäftigen mich der gesellschaftliche Wandel, die zunehmende Komplexität, angekündigte Trends und deren Überbewertung, das Mehrgenerationen-Zusammenspiel, der Umgang mit gesellschaftlichen Krisen sowie aktuelle politische Entwicklungen. Ganz spezifisch setze ich mich mit erziehungs- und bildungspolitischen Themen sowie mit gesellschaftlichen Herausforderungen rund um die soziale und ökologische Nachhaltigkeit auseinander.

Bei allem positiven Denken, was belastet dich?

Wie viele andere Menschen beschäftigen mich alltägliche Herausforderungen im beruflichen wie privaten Umfeld, Belastendes und Krisen von mir nahestehenden Personen, übergeordnete Entwicklungen und ungelöste globale Konflikte und Kriege. Aktuell stimmt mich vor allem der anhaltende gesellschaftliche Trend von Propaganda, Fakenews und Faktenlosigkeit – im Grunde genommen unterkomplexe Antworten auf die immer komplexer werdende Welt – sehr nachdenklich. Ich frage mich, wo dies hinführt.

Ich kenne dich als Fachperson, die herzhaft und ansteckend lacht. Was hältst du vom Humor am Arbeitsplatz?

Humor bzw. «Heiterkeit» sind mir in allen Belangen sehr wichtig, erlebe ich diesen doch im Alltag immer wieder als grosse Ressource. Ich erinnere mich an verschiedene Situationen im Coaching und in der Supervision, in welchen die eine oder andere auch «schwere» Erkenntnis durch Humor und lautes Lachen an Leichtigkeit gewann und so für die Coachees und Supervisand*innen annehmbar und veränderbar wurde.

Woraus schöpfst du die nötige Energie und Inspiration?

Sehr gerne lasse ich mich durch persönliche und fachliche Gespräche, durch ausgewählte Biographien sowie durch Natur, Kunst, Musik, Philosophie, Literatur und Design inspirieren. Generell sind es Impulse und Anregungen, die mich «berühren». Oftmals vermögen sie dies nicht einzeln, sondern mehrheitlich in der interdisziplinären Vernetzung zu bewirken. Ich denke dabei etwa an Situationen im Coaching bzw. der Supervision, bei welchen eine erarbeitete Lösung durch die Verbindung von Kunst und Psychologie entstand.

Wenn du Wünsche offen hättest, welche wären das?

Ich wünsche mir, dass globale und komplexe Zusammenhänge vermehrt wahrgenommen und ernsthaft und fachlich fundiert geklärt und gelöst werden. Ich würde mir wünschen, dass viele Menschen Tatsachen und Evidenzen vermehrt in Entscheidungen miteinbeziehen und lösungsorientierte Handlungen mutiger in ihrem alltäglichen Handeln umsetzen. «Sinnhaftes» Handeln sollte nicht delegiert, sondern selber gelebt werden.

Und zum Schluss eine letzte Frage: Abgesehen von deinen bunten Kleidern, wie bringst du Farbe in deinen Alltag?

Oftmals sind es kleine, unaufgeregte Dinge, die mein Leben bunt werden lassen. Ich denke dabei etwa an strahlende Kinderaugen, an berührende Begegnungen, an fachliche und literarische Neuerscheinungen, an Entschleunigung und Reduktion, an ansteckendes Lachen, an Musikklänge oder an Weinbergschnecken, die in aller Ruhe auf dem Trottoir kriechen, ungeachtet unserer alltäglichen Hektik.

Ich danke dir vielmals für dein offenes Gespräch.

 

Forrer Kasteel Supervisoring Supervision Coach empathisch, individuell, innovativ Potential

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