Über die Selbstführung und die Selbstfürsorge im Führungsalltag

Über die Selbstführung und die Selbstfürsorge im Führungsalltag

Wie wir andere führen gibt interessante Rückschlüsse über den Umgang mit uns selbst – und umgekehrt. | Impuls-Reihe #4


Keine Angst, Selbstliebe hat nichts mit Egoismus oder Narzissmus zu tun. Selbstliebe bedeutet vielmehr, dass wir mit uns im Reinen sind und uns so annehmen, wie wir sind, mit all unseren Stärken und Schwächen. Wir sind uns sozusagen selbst ein guter Freund oder eine gute Freundin, in guten wie in schlechten Zeiten.

„Der beste Weg, einen Freund zu haben, ist der, selbst einer zu sein.“

Ralph Waldo Emerson
Amerikanischer Schriftsteller und Philosoph

Das Zitat bekräftigt die Gegenseitigkeit in einer Freundschaft. Im Grunde könnte man das Zitat dahingehend erweitern, dass nur derjenige, der sich selbst ein guter Freund ist, auch anderen ein guter Freund sein kann.

Lassen Sie uns den Impuls «sich selber ein guter Freund sein» mittels Gedankenreise weiterspinnen.

  • Malen Sie sich dabei aus, wie Sie mit sich umgehen würden, wenn Sie sich in der Tat eine gute Freundin wären bzw. wenn Sie sich selbst so begegnen würden, wie Sie Ihren Freunden begegnen.
  • Lassen Sie mich raten, Sie würden sich gut zureden, Sie würden sich Mut und Sicherheit zusprechen, Sie hätten viel Verständnis für Ihre Erfolge wie auch Misserfolge, Sie würden sich Zeit und Raum für sich nehmen und Sie würden auf Ihre Gefühle und Ihre Körperwahrnehmung achten.
  • Wenn Sie nun einen Realitätscheck vornehmen, wie gehen Sie mit sich selbst in Ihrem Führungsalltag und/oder als Privatperson um? Wie gut gelingt es Ihnen, sich selbst in der skizzierten Weise zu begleiten, auch wenn Sie mit herausfordernden Führungssituationen konfrontiert sind?

Unabhängig davon, wie Sie Selbstliebe und Selbstfürsorge in Ihrem Alltag bereits praktizieren, die gute Nachricht ist, dass man Selbstliebe, Selbstfürsorge und Selbstführung «trainieren» kann.

Sie können jederzeit damit beginnen, indem Sie z.B. die kritischen inneren Stimmen freundlich unterbrechen und sich stattdessen aktiv den einfühlsamen und fürsorglichen inneren Stimmen zuwenden. Diese haben Frieden mit Ihnen gemacht. Sie schenken Ihnen Wärme, Freundlichkeit und Sympathie und lassen Sie wachsen und gedeihen. Sie lieben und akzeptieren Sie so, wie Sie sind.

Als kleine bewährte Übung empfiehlt es sich, im Rahmen kleiner Pausen oder anderer Möglichkeiten auch während des Arbeitsablaufs zweimal täglich kurz innezuhalten, tief durchzuatmen und die innere wertschätzende Stimme aktiv um ein Feedback zu bitten, z.B. mit folgenden Fragen:

  • Was zeichnet mich aus?
  • Worin liegen meine Stärken und in welchen Situationen kommen diese besonders gut zum Aufblühen?

Darüber hinaus kann die innere wertschätzende Stimme auch bei aufkommenden Fragen und Herausforderungen im beruflichen und privaten Alltag sehr unterstützend sein. Beispielsweise können ihr folgende Fragen gestellt werden, nachdem Sie Ihr Thema kurz skizziert haben:   

  • Was löst diese Frage in dir aus?
  • Wie würdest du an meiner Stelle entscheiden?
  • Was sollte ich unbedingt beachten?

Je regelmässiger Sie diese Übungen durchführen, desto mehr werden Sie Ihre innere Sparringpartnerin aufbauen und letztlich sich selbst stärken.

 

Selbstfürsorge

Auch eine gute Übung ist, dies gerade im Zusammenhang mit «Selbstfürsorge», sich jeden Tag etwa 5 Minuten Zeit zu nehmen, um sich selbst etwas Gutes zu tun. Meistens fällt es uns leicht zu wissen, wie wir anderen eine Freude bereiten können. Aber jetzt geht es um Sie: Was bringt Ihnen Freude im Alltag? Je nach Vorliebe kann das ein frisch gebrühter Cappuccino am Morgen sein, eine spannende Kurzgeschichte auf dem Weg zur Arbeit, eine kurze Pause in einem Café auf dem Weg ins Büro oder oder oder. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Was können Sie tun, um sich selbst und anderen eine Freude zu bereiten?

 

Wertschätzung

Haben Sie schon erkannt, dass ein wertschätzender Umgang mit sich selbst als Führungskraft nicht nur Ihnen, sondern auch Ihren Mitarbeitenden zugute kommt? Generell zeigt sich in der Führungspraxis, dass Führungspersonen, die Selbstführung und Wertschätzung vorleben, gute Vorbilder für ihre Mitarbeitenden sind. Denn Mitarbeitende, die mit Wertschätzung geführt werden, pflegen einen ebensolchen Umgang mit sich selbst und ihren Kolleg:innen. Wenn Führungspersonen und Mitarbeitende selbst liebevoll, wertschätzend und achtsam miteinander umgehen, können sie gemeinsam eine ebensolche Arbeitskultur etablieren und damit Freude, positive Emotionen und Leistung fördern.

 

Achtsamkeit und Verletzlichkeit

Im Hinblick auf ein zeitgemässes Führungsverständnis erweisen sich insbesondere die Begriffe «Achtsamkeit» und «Verletzlichkeit» als besonders zentral. Wir wissen heute, dass die Berücksichtigung und Reflexion unserer Schwächen sowie unserer Verletzlichkeit uns, insbesondere als Führungspersonen, massiv stärkt. Nur wer sich seiner Verletzlichkeit und seiner Schwächen bewusst ist und einen professionellen Umgang damit pflegt, kann «wirklich» stark sein.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Der eigene Umgang mit sich selbst ist Ausgangspunkt und Schlüssel für den Umgang mit anderen − im Führungsalltag ebenso wie im privaten Bereich. Menschen mit einem achtsamen Umgang mit sich selbst sind nicht nur ein Geschenk für sich selbst, sondern auch für ihre Mitmenschen.

Gut ausgebildete Führungspersonen, die in gutem Kontakt mit sich selbst sind, ihre Emotionen wahrnehmen und ihren Körper als Resonanzraum in ihre Analysen und weiteren Entscheidungen einbeziehen, sind für aktuelle Führungsherausforderungen gewappnet. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Führungsperson mit einem stabilen und reflexiven Selbst erfolgreich ist, ist intakt.

Und – wissen Sie was? Empathie, Wertschätzung und Lösungsfokussierung erweisen sich stets als Wundermittel, selbst bzw. erst recht in durch Macht, Konkurrenz und Abwertung geprägten Führungskontexten. In solchen oder ähnlichen toxischen Situationen bedarf es allerdings einer grossen Portion Mut und einer starken inneren Haltung, entgegen jedes Impulses stets fürsorglich und empathisch zu bleiben. Je besser wir in Kontakt mit uns, den anderen und der Situation sind, umso ruhiger, gelassener und selbstsicherer können wir reagieren.

Wie gut gelingt es Ihnen, im Rahmen von hitzigen Führungssituationen bewusst empathisch und wertschätzend zu agieren und dabei Ihre Gefühle zu benennen? Haben Sie schon hitzige Führungssituationen erlebt, in denen Sie ganz auf sich bezogen in aller Ruhe reagieren konnten und relativ rasch Ruhe einkehrte und eine Lösung gefunden werden konnte?

Im Führungsalltag fasziniert es mich immer wieder, wie aus dieser sicheren, inneren Haltung heraus Situationen konstruktiv gestaltet werden können. Auch Coachees berichten verschiedentlich von ähnlichen Erfahrungen. Dies bestärkt mich in meiner tiefsten Überzeugung, dass sich Führungsstärke durch eine ebensolche innere Haltung und damit Professionalität auszeichnet.

Auf Ihre Rückmeldung und Ihre Sichtweise bin ich sehr gespannt.

Herzliche Grüsse,
Esther Forrer Kasteel

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Inspiration und Empfehlungen
zu den Themen Selbstführung, Selbstachtsamkeit und Selbstfürsorge:

  • „Selbstfürsorge“ (Psychologie heute compact, 2024, Heft 75)
  • „Selbstmitgefühl“ von Kristin Neff (2012, 14. Aufl.)
  • „Selbstliebe als Lebenskunst“ von Siegfried Essen (2021, 4. Aufl.)
  • „Menschlichkeit in der Führung“ von Madeleine Zbinden (2022)

 

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>> 24.1.2025

Selbstbewusst auftreten und kommunizieren!

Ein Tagesseminar für Fach- und Führungspersonen

Sicheres Auftreten und Kommunizieren setzen Selbstführung und
-wertschätzung voraus. Nur wer in der Lage ist, sich selbst die nötige Basis zu geben, Stimme und Körper bewusst wahrzunehmen und unterstützend einzusetzen, kann sein Potenzial im Auftritt und in der Kommunikation entfalten.

>> 31.1.2025

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Die resiliente und zukunftsgewandte Fach- und Führungsperson mit Persönlichkeit zeichnet sich durch die Lust und Freude aus, sich auszuprobieren und unkonventionelle Wege zu gehen.

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