Positive Psychologie als Potenzialentwicklung für Teams nutzen

Positive Psychologie als Potenzialentwicklung für Teams nutzen

Wie lautet das übergeordnete Everest-Ziel Ihres Teams? | Impuls-Reihe #3


In einem Führungscoaching brachte letzthin eine Führungsperson das Anliegen ein, dass ihr Team bisher noch nicht sein volles Potenzial ausschöpfe. Sie meinte, dass sich die erhoffte Entfaltung trotz aller Bemühung und Maßnahmen nicht einstellte. Die Führungsperson zweifelte bereits an sich selber. „Was soll ich denn noch tun?“ lautete die Frage. Ein Hinweis darauf, dass die Positivspirale ihre Wirkkraft noch vermehrt entfalten kann. Auch wenn Sie vielleicht gerade nicht an diesem Punkt stehen oder noch nie waren, bietet die Auseinandersetzung mit dem richtigen Fokus für nahezu jede Situation eine Idee und kann sehr individuell adaptiert werden.

Im Führungsalltag den Fokus auf die eigenen Stärken sowie diejenigen der Mitarbeitenden zu legen, bringt nebst viel Freude, meistens auch ein größeres Engagement aller. Letztlich ist Motivation ansteckend. Und dieses Prinzip ermöglicht, dass eine ansteckende Motivation förderlich ist, um sich gemeinsam für ein übergeordnetes Everest-Ziel einzusetzen.

Bestimmt haben Sie auch schon die Erfahrung gemacht, dass Sie viel Energie für eine Sache mobilisieren können, wenn Sie Ihren Blick konsequent auf etwas Positives richten? Dies gilt auch im Hinblick auf eigene Stärken oder auf jene unserer Mitarbeitenden. Die Aufgabe lautet deshalb, den Fokus auf Stärken zu legen und die eigene Wahrnehmung dahingehend zu schulen. Das bedeutet, sich vorhandener Ressourcen bewusst zu sein und diese zielführend einzusetzen, anstatt hauptsächlich auf Fehler und Imperfektion zu achten.

Flourishing bzw. „Aufblühen“ nennt der amerikanische Psychologe Seligman (2002, 2015) den Zustand, wenn es gelingt, den Fokus auf das Positive zu richten. Menschen vermögen aufzublühen, wenn wir sie auf ihren Erfolg oder ihre Stärken ansprechen. Vielleicht haben Sie dies in Ihrem Führungsalltag schon erlebt, wie sich Mitarbeitende entfalten, wenn Sie diese auf die positiven Aspekte ihrer Arbeit aufmerksam machen. Der Fokus auf unsere Stärken vermag sowohl bei uns wie auch bei anderen Motivation und Energie zu entfachen und kann deshalb zu Recht als Energiebooster bezeichnet werden.

Im Zusammenhang mit seiner Theorie des Wohlbefindens hat Seligman (2015) das Modell PERMA entwickelt. Dieses umfasst fünf Bereiche, die sich alle gestalten und entfalten lassen.

Die fünf Bereiche zur Theorie des Wohlbefindens von Seligman (2015):

P  Positive Emotions

E  Engagement

R  Relation

M  Meaning (Sinn)

A  Accomplishment

Positive Emotions meint, dass wir unsere positiven Gefühle vermehrt wahrnehmen und entsprechend in den Vordergrund rücken. Engagement bedeutet, die Möglichkeit zu haben, unsere Stärken einzubringen, um dann ein Gefühl des Flows zu erfahren. Mit Relation ist die positive Gestaltung von Beziehungen gemeint. Meaning bzw. Sinn steht dafür, dass wir unsere Tätigkeit als sinnvoll erleben können. Accomplishment bedeutet die Zielerreichung bzw. die Möglichkeit, sich als selbstwirksam zu erleben.

Die Führungskraft, die sich selbst gut kennt und führt, vermag die Stärken ihres Teams zu (er)kennen und zu fördern.

Zu allen fünf Bereichen hat die Positive Psychologie verschiedene Übungen entwickelt, die uns dabei unterstützen, die einzelnen Bereiche und das Potenzial jedes Einzelnen individuell weiterzuentwickeln. 

Und? Möchten Sie am liebsten gleich loslegen?
Hier stelle ich Ihnen gerne eine Übung für Ihre eigene Fokus-Arbeit vor.

Die Übung „Was gut gelaufen ist“ (Seligman 2015) eignet sich auch aus eigener Erfahrung sehr gut als Einstiegstool in die Positive Psychologie. Die Methode besticht durch Schlichtheit bei gleichzeitig hohem Effekt. Jeweils am Abend nehmen Sie sich zehn Minuten Zeit und notieren drei Dinge, über die Sie sich an dem Tag gefreut haben. Ergänzend und überaus wirksam kann es sein, Ihren eigenen Beitrag zum Gelingen dieser Situation festzuhalten. Wichtig ist, dass Sie die Übung täglich über einen längeren Zeitraum und in Schriftform umsetzen, um so Ihren Blick für das Positive zu schärfen. Je länger Sie die Übung umsetzen, umso einfacher wird es Ihnen fallen, in Windeseile drei positive Dinge zu finden. 

Die Positive Psychologie ist in meinen Augen ein wahrer Fundus für Führung und Leadership – geht es doch vordergründig darum, Ressourcen, Stärken und Potenziale zu erkennen und freudvoll einzusetzen. Lassen Sie sich auch in Ihrem Führungsalltag durch Empathie, positive Wahrnehmungen und generell durch zugewandte und wahrhafte Begegnungen leiten.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und viele Flow-Erfahrungen. Ich bin gespannt auf Ihre Rückmeldung und Ihre Sichtweise. 

Herzliche Grüsse,
Esther Forrer Kasteel

#führungskultur
#führungneudenken
#newleadership
#coaching

 

Inspiration und Empfehlungen

Dieser Artikel ist maßgeblich von der Positiven Psychologie – einem von Martin Seligman entwickelten Konzept – beeinflusst. Ich kann Ihnen noch das ebenfalls interessante Instrument 6 Charakterstärken ans Herz legen. Diesen werden in weiterer Folge 24 Tugenden zugeordnet.

  • Weisheit und Wissen
  • Mut
  • Menschlichkeit
  • Gerechtigkeit
  • Mässigung
  • Transzendenz

Für weiterführende Informationen zu den Charakterstärken und zum PERMA-Modell empfehle ich Ihnen den Überblicksartikel von Ruch & Proyer (2011), Mitarbeitende der Universität Zürich.

Mit einem von der Universität Zürich entwickelten Erhebungsinstrument VIA-IS können Sie Ihre Charakterstärken herausfinden und erhalten nach Abschluss des Online-Fragebogens eine entsprechende Auswertung. >> Hier geht es zum kostenlosen Online-Persönlichkeitsstärken-Test der Universität Zürich >> Informationen zum VIA-IS-Instrument und zur Interpretation Ihrer Ergebnisse stellt die Universität Zürich in einem pdf zur Verfügung. 

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